Internationale Etikette im Urlaub

Du wirst sicherlich schon den ein oder anderen Urlaubsbericht von Freunden gehört haben, in denen er vorkam: der typische deutsche Tourist. Bestenfalls mit Tennissocken in Sandalen, Hawaiihemd und Reiseführer in der Hand; darüber hinaus brummig, ungeduldig und gierig am Buffet. Freilich, man ist, wie man ist – in manchen Ländern jedoch wäre es von Vorteil, sich den örtlichen Gepflogenheiten so weit anzupassen, um nicht derartig aufzufallen.

Etikette hier und dort

Wenn du an Knigge denkst, fallen dir vermutlich einige Benimmregeln ein: „Nicht mit vollem Mund sprechen“; „den Damen Vortritt gewähren“; „Bitte und Danke gebrauchen“ etc.
Derartige Benimmregeln auch im Ausland zu beherzigen ist vorteilhaft, jedoch ist Vorsicht geboten: Die Vorstellungen von Angemessenheit und Höflichkeit können sich zwischen den Ländern oftmals stark unterscheiden. Denke nur einmal an folgendes Beispiel:
Du möchtest jemanden signalisieren, dass alles in Ordnung ist. In Deutschland würdest du den Daumen einer Hand ausstrecken und lächeln – jeder würde verstehen, was du meinst. In Australien oder einigen afrikanischen Ländern jedoch würdest du die Person auf vulgäre Art beschimpfen …

Andere Länder, andere Sitten – Reisen wie ein Chamäleon

Natürlich ist eine komplette Anpassung an fremde Kulturen in der Kürze eines Urlaubes unmöglich. Allerdings kannst du das Bild des Chamäleons als kleine Hilfestellung im Hinterkopf behalten und dir zumindest vornehmen, dich so gut du kannst an die Gegebenheiten anzupassen.
Einige Höflichkeitsregeln kannst du durch gesunden Menschenverstand und Einfühlungsvermögen ableiten. Da dies nicht immer ausreicht, ist empfehlenswert, dass du dich vorab ausreichend über dein Urlaubsland informierst. Oder hättest du gewusst, dass es ein absolutes Tabu in China darstellt, sich in der Öffentlichkeit zu schnäuzen?
Wenn es dir ernst damit ist, ein touristisches Chamäleon zu werden, solltest du eines tunlichst vermeiden: den deutschen Blick auf die Dinge. Die deutschen Tugenden mögen uns zwar auszeichnen und per se auch nichts Schlechtes sein; wenn du dich aber im Ausland darauf verlässt, dass alles so läuft wie in Deutschland, wirst du schnell enttäuscht werden. Viele Länder lassen Struktur, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit etc. vermissen. Die Uhren laufen langsamer, die Menschen sind entspannter, die Umgangsformen lockerer. Auch das ist nichts Schlechtes und hat wirklich Charme – kann dich jedoch auch an den Rand des Wahnsinns bringen, wenn du dich nicht darauf einstellst …

Einige Etikette-Beispiele für beliebte Urlaubsländer

Auch im direkten Nachbarland Frankreich gibt es viele Fettnäpfchen, in die du als deutscher Tourist treten kannst. Franzosen legen Wert auf Höflichkeit. Damit geht einher, stets Bitte, Danke oder Entschuldigung zu verwenden und nicht zu schnell persönliche Fragen zu stellen. Auch mit Kritik solltest du dich zurückhalten – der Franzose liebt sein Land! In Frankreich ist man lieber unter sich, weshalb nicht zu distanzlos auf andere zugegangen werden sollte.
In einem anderen nahegelegenen Land, Italien, wird es mit der Distanz nicht so strikt gesehen. Hier ist Körperkontakt an der Tagesordnung und alles viel herzlicher, lauter und gestenreicher. Italien und Deutschland ähneln sich in vielen Punkten, weshalb der Kulturschock hier nicht allzu groß ist. Allerdings solltest du im Hinterkopf behalten, dass der Katholizismus eine wichtige Rolle spielt – Italiener sind in puncto Religion sehr konservativ.
Eines der liebsten deutschen Reisezielen ist Spanien; insbesondere auf Mallorca hat man sich weitestgehend auf Touristen eingestellt, weshalb die deutsche Kultur dort nicht so weit entfernt erscheint. Ähnlich wie in Italien, kannst du dich auf südländisches Temperament und Religiosität einstellen. Typisch in Spanien: die Siesta – eine ausgiebige Mittagspause, die du den Einheimischen unbedingt gönnen solltest.
Die größte Knigge-Vielfalt im europäischen Raum bietet sicherlich Großbritannien. Was in England zum guten Ton gehört, kann in Wales, Irland oder Schottland für Kopfschütteln sorgen. Wichtig ist daher, dass du deren Unterschiedlichkeit würdigst und nicht alle Briten über einen Kamm scherst! Informiere dich genau über die geltenden Umgangsformen in deiner Urlaubsregion. Wichtig ist insbesondere, sich in England die Gegenwart des Königshauses stets zu vergegenwärtigen. Kritik ist unangemessen.
In der Türkei prägt der Islam das Alltagsleben. Das Gebet ist ein wichtiger Tagesbestandteil und die Rolle der Frau ist anders als in Deutschland. In sehr touristischen Regionen und Großstädten sind die Regeln lockerer, jedoch machst du nichts falsch, wenn du Rücksicht auf die Kultur und Religion nimmst. Insbesondere solltest du auf deinen Kleidungsstil achten und dich außerhalb des Strandes nicht zu freizügig präsentieren.

Unser Fazit

Urlaub soll Spaß machen und der Erholung dienen, weshalb du dir bezüglich der passenden Etiketten nicht allzu viele Gedanken machen solltest. Ansonsten könnte es in Anpassungsstress ausarten. Darüber hinaus sollte Reisen der Horizonterweiterung dienen und ihn nicht einschränken.
Trete den Ländern und insbesondere deren Einwohnern stets mit Respekt und Freundlichkeit gegenüber, dann wird sich der Rest schon ergeben.

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